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Mittelalter Instrumente: Dudelsack, Drehleier, Schalmei und Sackpfeife

Fünf Mittelalter Instrumente tragen den Klang dieser Musik. Wer sie auseinanderhalten kann, hört einer Aufnahme sofort an, ob sie vom Markt kommt oder von der Festivalbühne.

Warum diese Mittelalter Instrumente den Klang bestimmen

Eine Rockband besteht aus Gitarre, Bass und Schlagzeug. Kommen Mittelalter Instrumente dazu, ändert sich nicht nur die Klangfarbe, sondern die ganze Statik der Musik: Bordune liegen als Dauerton unter allem, die Melodieinstrumente können nicht beliebig leise gespielt werden, und die Trommeln geben einen Tanzpuls vor statt eines Rockbeats. Deshalb bestehen die Gruppen oft aus sechs bis acht Personen.

Mittelalter-Bands mit Dudelsack sind dabei der Regelfall und nicht die Ausnahme. Die Sackpfeife ist so laut, dass sie den Rest der Besetzung mitzieht, und so unbeweglich in der Dynamik, dass die Arrangements sich nach ihr richten müssen.

Was die Bordune ändern

Bordun
Dauerton unter allem
Dynamik
kaum leise zu spielen
Puls
Tanzpuls statt Rockbeat
Folge
sechs bis acht Personen
Mittelalterlicher Dudelsack mit Ledersack, Spielpfeife und zwei Bordunpfeifen

Dudelsack

Das Leitinstrument der Szene. Ein Luftsack hält den Druck konstant, sodass der Ton nie abreißt; dazu liegen ein oder zwei Bordunpfeifen als Dauerton darunter. Weil eine Sackpfeife weder leiser noch lauter gespielt werden kann, gibt sie einer Band ihre Lautstärke faktisch vor - der Grund, warum Mittelalter-Bands mit Dudelsack auch ohne Verstärker über einen ganzen Marktplatz zu hören sind.

Marktsackpfeife mit einer langen Bordunpfeife über der Schulter, glattem Ledersack und konischer Spielpfeife
Drehleier mit lautenförmigem Korpus, Kurbel und Tastenkasten

Drehleier

Ein Streichinstrument, bei dem ein harzbestrichenes Holzrad die Saiten anstreicht, während eine Klaviatur die Melodiesaite abgreift. Eine Schnarrsaite auf einem losen Steg erzeugt beim Beschleunigen der Kurbel den charakteristischen Rhythmus. Bei Schelmish gehörte die Drehleier zum Instrumentarium von Dextro und später von Amsel von Nydeggen.

Kurbel und Rad einer Drehleier von nahem: gedrechselter Griff auf Eisenachse und harzbestrichenes Holzrad
Nyckelharpa mit Tastenreihen entlang des Korpus und kurzem Bogen

Nyckelharpa

Schwedischer Verwandter der Drehleier, aber mit Bogen gestrichen. Unter den Melodiesaiten liegen Resonanzsaiten, die frei mitschwingen und den Klang tragen. In der deutschen Szene seltener als Sackpfeife und Drehleier, dafür immer dann zu hören, wenn es ruhiger und lyrischer werden soll.

Kurzer Bogen mit dunklem Holzstab, geschnitztem Frosch und teils losen Rosshaaren
Schalmei mit konischem Holzkorpus, Messingring und Doppelrohrblatt

Schalmei

Ein Doppelrohrblattinstrument und der direkte Vorfahr der Oboe, nur ungleich lauter und schneidender. In den Besetzungslisten von Schelmish taucht sie durchgehend auf, oft in einem Atemzug mit Bombarde und Rauschpfeife, die zur selben Familie gehören.

Bombarde: konische Schalmei aus dunklem Hartholz mit ausgestellter Stürze, Messingringen und Doppelrohrblatt
Seilgespannte Trommel mit Holzkessel, Fellbespannung und zwei Schlegeln

Trommel

Die Basis, auf der alles andere steht. Das türkische Davul mit seinen zwei Fellen und dem tiefen Schlegelton ist in der Szene ebenso verbreitet wie die Darbuka und die flache Rahmentrommel. Bei Schelmish spielten mehrere Mitglieder gleichzeitig Percussion - eine Besetzung mit zwei oder drei Trommlern war keine Seltenheit.

Große flache zweifellige Davul-Trommel mit Seilverschnürung, Schulterriemen und einem angelehnten Schlegel

Dudelsack und Sackpfeife: derselbe Klang, verschiedene Namen

Im Sprachgebrauch der Szene ist die Sackpfeife das Instrument und der Dudelsack der landläufige Name dafür. In den Besetzungslisten von Schelmish steht durchgehend „Sackpfeifen“ im Plural, weil die Musiker mehrere Instrumente in verschiedenen Stimmungen mitführten. Buchanan brachte zusätzlich die schottische Great Highland Bagpipe und die irische Uilleann Pipe ein, zwei Bauformen, die außerhalb der deutschen Marktmusik zu Hause sind.

Wer Mittelalter-Bands mit Dudelsack live erlebt, merkt schnell, warum das Instrument die Szene prägt: Es lässt sich nicht dezent einsetzen. Entweder es spielt, oder es spielt nicht.

Geöffnetes hölzernes Kästchen mit vier Doppelrohrblättern auf Hülsen in einer Filzmulde
Mehrere Instrumente, mehrere Stimmungen

Drehleier, Schalmei und die leiseren Stimmen

Neben der Sackpfeife stehen zwei Mittelalter Instrumente, die den Klang differenzieren. Die Drehleier liefert Bordun und Melodie zugleich und kann durch die Schnarrsaite gleichzeitig den Rhythmus mittragen - ein ganzes Ensemble in einem Gehäuse. Die Schalmei dagegen ist reines Melodieinstrument, dafür durchdringend genug, um sich gegen zwei Sackpfeifen zu behaupten.

Beide kommen selten allein vor. In den Instrumentenlisten der Bandmitglieder von Schelmish stehen Schalmei, Bombarde, Rauschpfeife und Hümmelchen regelmäßig nebeneinander, weil dieselbe Person je nach Stück zwischen ihnen wechselte.

Sehr kleine leise Sackpfeife mit winzigem Ledersack, kurzer Bordunpfeife und schlanker Spielpfeife
Die leiseren Stimmen der Besetzung

Sackpfeife trifft E-Gitarre

Die eigentliche Erfindung des Stils war nicht das mittelalterliche Instrument, sondern seine Verstärkung. Sobald Sackpfeifen abgenommen und über eine Anlage gefahren werden, lassen sie sich mit einer verzerrten Gitarre mischen, ohne unterzugehen. Genau an diesem Punkt trennt sich die Marktmusik vom Bühnenprogramm.

Bei Schelmish ist der Übergang gut dokumentiert: Bis 2002 dominierten die mittelalterlichen Instrumente, ab „Tempus Mutatur“ von 2003 kamen Bass und E-Gitarre dazu, und mit „Mente Capti“ von 2006 stand die Band im modernen Rock. Dieselbe Entwicklung lässt sich bei fast allen bekannten Mittelalter Bands nachvollziehen.

Aufgerolltes schwarzes Instrumentenkabel mit Klinkenstecker, der Gummimantel altersrissig
Die Erfindung war die Verstärkung

Wo man die Instrumente hören kann

Am besten hört man Mittelalter Instrumente auf einem Mittelaltermarkt, wo die Gruppen ohne Verstärkung spielen und man den Unterschied zwischen Bordun und Melodie mit bloßem Ohr heraushört. Auf den Festivals der Szene stehen die Instrumente dagegen in der Mischung eines Livemixes, was den Reiz hat, dass man Sackpfeife und Gitarre nebeneinander vergleichen kann. Wie es dazu kam, steht beim Ursprung des Mittelalter-Rocks, die härtere Spielart unter Mittelalter Metal.

Zwei Orte, zwei Klänge

Mittelaltermarkt
ohne Verstärkung, Bordun und Melodie getrennt
Szene-Festival
im Livemix, Sackpfeife neben der Gitarre

Häufige Fragen zu Mittelalter Instrumenten

Welche Mittelalter Bands spielen mit Dudelsack?

Praktisch alle Gruppen der Szene. Bei Schelmish standen die Sackpfeifen in jeder Besetzung, von Des Demonia und Dextro zur Gründung bis zu Luzi das L in den späteren Jahren.

Ist die Drehleier ein mittelalterliches Instrument?

Ja, in ihrer Grundform ist sie seit dem Hochmittelalter belegt. Die Bauform, die heute auf den Bühnen steht, ist allerdings deutlich jünger und für lautere Ensembles ausgelegt.

Worin unterscheiden sich Schalmei und Bombarde?

Beide sind Doppelrohrblattinstrumente derselben Familie. Die Bombarde ist tiefer gestimmt und wird meist als Unterstimme zur Schalmei geführt.

Kann man diese Instrumente als Anfänger lernen?

Die Marktsackpfeife gilt als der zugänglichste Einstieg, weil sie robuster gebaut ist als die historischen Vorbilder. Drehleier und Nyckelharpa verlangen deutlich mehr Geduld, allein schon wegen der Stimmung und Wartung.